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Ernährungswissen Frauengesundheit

PCO – Das Syndrom mit vielen Gesichtern

Anlässlich des PCOS Awareness Months haben wir uns gedacht, wir schreiben einen Blogpost zu diesem Thema und geben euch einen Einblick.

PCOS ist eine der häufigsten Hormonstörungen bei Frauen. Und trotzdem gibt es immer noch so viel Verwirrung um dessen Behandlungsmöglichkeiten. Genauso verschieden wie die Ursachen des polyzystischen Ovarsyndroms sind, so soll nämlich auch die Therapie individuell angepasst werden. Ernährungstechnisch gibt es je nach Ursache unterstützende Maßnahmen.

Bevor wir uns genauer mit der Therapie auseinandersetzen, müssen wir erst einmal wissen, was denn überhaupt die Ursachen der Erkrankung sind. 

PCOS Typen: 

Wir teilen das PCO-Syndrom insgesamt in vier oder eigentlich fünf Typen ein:

  • (Post Pille PCOS)
  • Entzündliches PCOS
  • Schilddrüsenassoziiertes PCOS
  • Insulinresistenz
  • endokrines beziehungsweise stressinduziertes PCOS

Es wird also schnell klar, wie individuell die Voraussetzungen sein können. Eine allgemein gültige Behandlungs- oder Ernährungsform kann demnach nicht zum langfristigen Erfolg führen. Hier ist als Therapieansatz ganz wichtig, dass jeder Typ völlig individuell behandelt wird. 

Nicht selten werden PCOS-Symptome durch die Einnahme der Pille oder Metformin behandelt (eigentlich eher unterdrückt) oder es wird ohne weitere diätologische Betreuung eine Gewichtsreduktion empfohlen. Außerdem kursieren Diätempfehlungen, wie beispielsweise sich Low-Carb zu ernähren oder einfach auf Weizen, Zucker und Milch zu verzichten. Doch was hilft wirklich und was geht vielleicht sogar in die falsche Richtung? Versuchen wir nun etwas Ordnung in das Chaos voller Empfehlungen zu bringen.

Symptome:

Thema Pille: 

Mit Einnahme der Pille werden die Hormone auf künstliche Weise wieder ins Gleichgewicht gebracht. Die Symptome des PCO-Syndroms können damit unterdrückt, aber deren Ursache nicht behandelt werden. Die Frage ist, ob die Pille langfristig einen Sinn macht, da die körpereigene Hormonproduktion nicht unterstützt wird. Spätestens bei einem Kinderwunsch steht man wieder an.

Thema Gewichtsreduktion: 

Im Rahmen der PCOS-Therapie wird häufig eine Gewichtsreduktion empfohlen. Noch wichtiger ist es jedoch, unabhängig vom Körpergewicht, den Lebensstil und das Wohlbefinden der Patientinnen zu verbessern. Oft wird einfach gesagt: “Nehmen Sie einfach ab, dann pendelt sich alles wieder ein.” Fakt hierzu ist: Das Übergewicht entsteht meistens aufgrund einer hormonellen Dysbalance beziehungsweise auch aufgrund einer Insulinresistenz. Das Übergewicht ist nicht der Grund für die PCO Symptome, sondern das Übergewicht entsteht aufgrund der hormonellen Dysbalance. 

Häufig stehen Betroffene mit Ernährungsempfehlungen alleine da und werden nicht weiter diätologisch betreut. Das „wie“ bleibt oftmals offen. Alle Methoden, die darauf hinauslaufen, eine oder mehrere Lebensmittelgruppe gänzlich wegzulassen, bringen auch das Risiko mit sich, dass man nicht ausreichend mit allen Nährstoffen versorgt ist. Einige Kohlenhydratquellen versorgen uns beispielsweise mit wertvollen B-Vitaminen. Außerdem bringt ein gänzlicher Verzicht auf Weizen, Zucker, Milch und Co. häufig Stress mit sich, da gerade auf Feiern oder im Restaurant wenig bis gar nichts übrig bleibt, was man essen kann. Eine eingeschränkte Lebensmittelauswahl kann also durch die Ausschüttung von Stresshormonen den Hormonhaushalt wieder durcheinander bringen. Verbote führen zu größerem Verlangen und fördern wiederum Heißhungerattacken – also ein Teufelskreis. 

Schwangerschaft nicht möglich?

Das Thema Schwangerschaft wollten wir übrigens auch noch aufgreifen. Oft wird einem gesagt, dass eine Schwangerschaft nicht möglich sei, beziehungsweise nicht auf natürlichem Wege. Das sehen wir absolut nicht so. Wir haben bereits erfolgreich einigen Patientinnen bei einer natürlichen Schwangerschaft unterstützt.

Was sagt die aktuelle Studienlage dazu?

Einige Studien deuten darauf hin, dass eine antientzündliche Ernährung beziehungsweise eine mediterrane Ernährung als Grundlage der Behandlung von PCOS dient. So scheint laut einer Studienanalyse aus dem Jahr 2018 eine Ernährung reich an Ballaststoffen, Omega-3-Fettsäuren. Vitaminen und Mineralstoffen sowie sekundären Pflanzeninhaltsstoffen eine positive Wirkung auf das PCO-Syndrom zu haben. Gleichzeitig sollten kurzkettige Kohlenhydrate reduziert werden, um häufige Blutzuckeranstiege zu vermeiden.
(Barrea et al., 2018).

Schauen wir uns die traditionelle mediterrane Ernährung genauer an, so ist sie reich an frischem Obst und Gemüse, Fisch, Samen und Nüssen sowie pflanzlichen Ölen. Stark verarbeitete Produkte, Fleisch, Weißmehlprodukte und zuckerreiche Speisen werden hingegen nur sparsam eingesetzt. In Anbetracht dessen kann sie bei einigen Störungen wie bei chronischen Entzündungen oder Insulinresistenz unterstützend wirken. Im speziellen Fall ist es aber sinnvoll, noch individueller auf die Probleme einzugehen und sich beispielsweise eher auf die Fette oder auf die geeignete Kombination und Menge von Kohlenhydraten zu fokussieren.

Neben der antientzündlichen Ernährung wurden bereits einige Mikronährstoffe als Nahrungsergänzungsmittel in ihrer Wirkung auf PCOS-Symptome untersucht. Durch ihren Einfluss auf den Stoffwechsel können sie individuell je nach Ursache der Hormonstörung eingesetzt werden.

Mikronährstoffe & Studien:

Inositole (B-Vitamine) haben laut einer Studienanalyse aus dem Jahr 2021 ein großes Potential, das Gleichgewicht im Zuckerstoffwechsel wieder herzustellen. Sie spielen bei der Aufnahme des Zuckers in die Zelle und bei der Speicherung eine Rolle. Zusätzlich haben auch sämtliche Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E und Omega-3-Fettsäuren eine positive Wirkung auf den weiblichen Hormonhaushalt haben. Im Zusammenhang mit PCOS müsse in dem Bereich aber noch mehr Forschung betrieben werden.
(Iervolino et al., 2021: Natural Molecules in the Management of Polycystic Ovary Syndrome (PCOS): An Analytical Review).

In einer weiteren Studienanalyse wurde unter anderem die Wirkung verschiedener Mineralstoffe diskutiert. Während Zink, Magnesium und Calcium eine wichtige Rolle im Rahmen der Insulinresistenz spielen, nimmt Selen neben seiner antioxidativen Wirkung auch Einfluss auf die Bildung von Geschlechtshormonen. Durch eine Unterversorgung mit Selen könne es beispielsweise zu einer gesteigerten Produktion von Androgenen kommen (Ciebiera et al., 2021: Nutrition in Gynecological Diseases: Current Perspectives).

Laut zahlreicher Studienergebnisse hat die Supplementierung mit Mönchspfeffer eine positive Wirkung auf den weiblichen Zyklus. Vor allem PMS-Symptome können durch die Einnahme von mindestens 20 mg täglich gelindert werden. Genauere Informationen dazu bekommst du in dem vorherigen Blogpost.

Take away Message

PCOS kann verschiedenste Ursachen haben. Deshalb macht es Sinn, auch die Ernährung speziell an die Bedürfnisse anzupassen. Gänzlich auf bestimmte Lebensmittelgruppen zu verzichten, wenn man sie sonst gut verträgt, macht jedoch wenig Sinn. Auf die Menge und die Kombination kommt es an. Nahrungsergänzungsmittel können je nach Beschwerdebild und nach Abklärung durch einen Blutbefund zusätzlich unterstützen. Hol dir dafür auf alle Fälle Unterstützung von Fachexpert*innen.

Du kannst mit uns entweder individuell zusammenarbeiten (Terminanfrage hier) oder es gibt auch das PCOS Lifestyle Programm. Das PCOS Lifestyle Programm ist bis 04.09.22 um 20% reduziert, da der 1.09.2022 der Welt PCOS Tag ist.

Dieser Beitrag wurde Unterstützung von unserer Praktikantin Leonie Meil geschrieben.

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