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Ernährung bei Migräne – aktueller Wissensstand

Migräne und Ernährung – besteht ein Zusammenhang?

Laut  Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt die Migräne zu den zehn häufigsten Gründen, aufgrund derer Menschen jahrelang mit Einschränkungen leben müssen. Circa 11 % der österreichischen Bevölkerung sind betroffen, wobei Frauen dreimal häufiger Migräne haben als Männer. Behandelt wird zumeist lediglich mit Schmerzmitteln.

Über den Zusammenhang zwischen Migräne und Ernährung wird meines Erachtens noch immer viel zu wenig gesprochen und berichtet. Zudem kursieren zahlreiche Falschinformationen. Genau aus diesen Gründen widmet sich der Blog-Beitrag ebendiesem Thema und gibt einen Überblick über die derzeitige Studienlage.

Definition, Symptome und Klassifikation der Migräne

Migräne wird als schwere neurologische Erkrankung definiert, welche sich vor allem durch starke und zum Teil langanhaltende Kopfschmerzen äußert. Jedoch damit nicht genug, bringt die Migräne vielfältige Begleiterscheinungen wie Erbrechen, Schwindel, Lärm- und Lichtempfindlichkeit mit sich. 

Zu unterscheiden ist die chronische von der episodischen Migräne. Erstere tritt an mehr als 15 Tagen pro Monat für mindestens drei Monate auf und letztere an bis zu 14 Tagen pro Monat.

Zusammenhang zwischen Ernährung und Migräne

Migräne ist zum einen mit einer Reihe von ernährungsrelevanten Begleiterkrankungen assoziiert, wie unter anderem Diabetes Mellitus, Bluthochdruck, Fettleibigkeit und erhöhten Cholesterinwerten. Zum anderen ist die Entstehung der Migräne zwar noch nicht vollständig geklärt, jedoch gibt es Hinweise darauf, dass Ernährungsfaktoren eine Rolle spielen können, durch Auswirkungen der Ernährung auf den Zuckerstoffwechsel im Gehirn, das Nervensystem oder durch Auslösung von Entzündungsreaktionen. Außerdem gibt es bereits einige vielversprechende Studien zur Behandlung der Migräne mittels Ernährung.

Ernährung als Migräneauslöser

Zwar werden bestimmte Lebensmittel und -inhaltsstoffe wie Schokolade, Koffein, Milch, Käse, Nüsse, Zitrusfrüchte, verarbeitetes Fleisch, Mononatriumglutamat, Aspartam und alkoholische Getränke als Auslöser von Betroffenen beschreiben, jedoch gib es nur wenige hochwertige Daten aus Studien zu ernährungsbedingten Auslösern sowie zu Ernährungsmustern von Migräne-Betroffenen generell. Studien zur Vorbeugung von Migräneanfällen durch Ernährungsinterventionen wie fettarmer Ernährung oder ketogener (= sehr kohlenhydratarmer) Ernährungsweise liefern noch unzureichende Ergebnisse. 

Behandlungsansätze durch Ernährung

Die Datenlage zur Migränebehandlung mittels Ernährung ist zwar noch nicht zufriedenstellend, dennoch möchte ich auf einige bisher interessante Ergebnisse eingehen.

Es konnte gezeigt werden, dass durch eine Omega-3-Fettsäuren-reiche Ernährung Häufigkeit und Schwere von Kopfschmerzen scheinbar erfolgreich behandelt werden können. (Quellen für Omega-3-Fettsäuren sind fettreiche Fische wie Lachs, Hering, Makrele oder pflanzliche Öle wie Leinöl, Rapsöl)

Der Konsum von Soja-Isoflavonen (enthalten in Soja-Produkten) könnte als ergänzende Behandlung für Frauen mit Migräne in Betracht gezogen werden, um Symptome und Dauer der Migräne zu verbessern und Lebensqualität zu erhöhen, da ein Zusammenhang zwischen einem Östrogenmangel und der Entstehung von Migränekopfschmerzen vermutet wird. 

Eine Zinksupplementierung scheint eine positive Wirkung auf Häufigkeit und Schweregrad von Migräneattacken zu haben. Ebenso könnte Kurkuma und Vitamin D zukünftig als wirksame Therapiekomponente in Betracht gezogen werden. 

Eine individuelle Betreuung der Betroffenen ist besonders wichtig, um eine bestmögliche Vorbeugung und Behandlung der Migräne zu ermöglichen. Vor allem Alter, Geschlecht und ob andere Kopfschmerzarten bestehen, die durch Ernährung beeinflusst werden können, gilt es zu berücksichtigen.

Mythos oder Tatsache?

  1. Notwendigkeit der kompletten Elimination von „Trigger“-Lebensmitteln wie Schokolade, Kaffee etc. aus der Ernährung:

Bei einigen Betroffenen können Migräneanfälle durch Lebensmittel ausgelöst werden, aber nicht alle migränefördernden Lebensmittel lösen bei jedem*r Patient*in eine Kopfschmerzattacke aus. Der Verzicht auf Lebensmittel ohne eindeutigen Verdacht führt demnach nicht immer zu einer Verbesserung der Migräne und birgt die Gefahr einer Mangelernährung, soweit die Elimination nicht unter Begleitung von Fachpersonal erfolgt.

  1. Alle Migräne-Betroffenen sollen auf Lebensmittelallergien getestet werden, da die Migräne ein Symptom einer Nahrungsmittelallergie sein kann: 

Hier herrscht noch unklare Studienlage, aber es ist bekannt, dass Migräne und Nahrungsmittelallergien zwei Erkrankungen sind, die häufig bei ein und derselben Person gleichzeitig auftreten.

  1. Fettleibigkeit ist ein eindeutiger Risikofaktor für die Entwicklung von Migräne: 

Übergewichtige Personen haben intensivere und häufigere Migräneanfälle und Adipositas kann psychologische Begleiterkrankungen begünstigt.

  1. Die ketogene Ernährung wirkt der Entstehung der Migräne entgegen: 

Diese Ernährungsform kann bei erwachsenen Betroffenen eine wirksame Option sein. Sie führt scheinbar zu einer Reduktion der Anfallshäufigkeit und -dauer. Studienergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass Betroffene nicht in der Lage sind diese restriktive Ernährungsweise ausreichend einzuhalten. Dies ist wahrscheinlich auf die damit verbundenen Nebenwirkungen zurückzuführen. 

Ein Tipp von Carmen und Jasmin

Wir leiden beide an Migräne und leider erwischt uns hin und wieder noch ein Migräneschub. Uns hilft eine hohe Dosis an Magnesium in Kombination mit Koffein. Vielleicht willst du es auch mal ausprobieren.

Take away message

Zum einen steht fest, dass noch weitere Forschung auf dem Themengebiet Ernährung und Migräne notwendig ist, obwohl bereits einige vielversprechende Studienergebnisse vorhanden sind. Zum anderen steht aber auch fest, dass es einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Migräne gibt. Ernährung wird somit zukünftig eine wichtige Rolle zur Vorbeugung und Behandlung der Migräne spielen. 

Dieser Beitrag wurde von unserer Praktikantin Nathalie Rabong geschrieben und von Jasmin angeleitet.

Quellenverzeichnis:

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