Freiwillig hungern – der unverblümte Fastenbericht

Fasten liegt in aller Munde – naja, klingt eigentlich paradox, da man ja in der Zeit nicht wirklich was in den Mund bekommt 😉. Die einen schwören auf eine Frühjahrskur, die anderen zweifeln eher daran. Diätologie-Studentin Julia Kram teilt ihre Erfahrung mit uns.

Was ist Fasten?

Fasten heißt laut der Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung (2013):

  • für eine bestimmte Zeit freiwillig auf Nahrung und Genussmittel zu verzichten
  • auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten
  • für rhythmische Darmentleerungen zu sorgen
  • einen guten Ausgleich zwischen regelmäßiger Bewegung und Ruhe zu finden

 Wie aus der Idee ein Experiment entstand

In meinem Bekanntenkreis hörte ich immer öfter von selbst durchgeführten Fastenperioden. Aufgrund der Mundpropaganda und dem fehlenden Fachwissen stieg bei mir das Interesse und der positive Eindruck am/vom Fasten. 2017, bevor ich mein Diätologiestudium startete, entschloss ich mich dann selbst zu einer 14-tägige Fastenkur, ganz im Sinne der Beschreibung oben angeführter Definition.

Der Ansporn dafür war, meinem Körper etwas Gutes zu tun indem ich ihn entschlacke, entgifte und der Verdauung eine Pause gönne (dachte ich damals zumindest). Mein persönliches Hauptziel aber war, dass sich dadurch meine zu diesem Zeitpunkt „überforderten“ Verdauungsorgane regenerieren könnten, und ich nach der jährlichen Kur diesbezüglich weniger Beschwerden, wie Blähungen und Blähbauch, haben würde. Zudem wollte ich einmal an mir selbst erfahren, was Fasten bedeutet. Die Durchführung fand selbstständig (also ohne klinische oder therapeutische Aufsicht) statt. Wie es mir dabei ging und ob das meiner Meinung nach wirklich Sinn macht, möchte ich in diesem Artikel näher erläutern.

 Wenn die Gedanken nur noch kreisen

Mir war wichtig, mich während der Fastenkur so viel wie möglich auf mich zu konzentrieren. Deswegen startete ich in meinen Semesterferien in die Eingewöhnungs- (bereits weniger Kalorien und schonendere Zubereitung) und daraufhin in die Vollfastenphase (keine Kalorien, viel Tee und zu Mittag eine leere Gemüsebrühe – also eine Nulldiät). Das Hungern selbst war für mich nicht das Problem. Schon am ersten Tag der Nahrungskarenz merkte ich jedoch, dass mein Kreislauf sehr schwach war – dieser Umstand besserte sich jedoch durch lange Spaziergänge. Sport erlaubte ich mir während dieser Periode nicht, da ich eine körperliche Überforderung vermeiden wollte.

Einmal musste meine Mutter schmunzeln, als ich sie fragte ob ich etwas für sie kochen darf. Einfach aus dem Grund, weil mir die Beschäftigung mit dem Essen (außerhalb meines Kopfes) so fehlte. Das Schlimmste jedoch war, als ich beim Einkaufen durch die Regale schlenderte und alles am liebsten auf einmal wie ein Staubsauger reinschlucken wollte. Kennt ihr das, wenn ihr mit Hunger einkaufen geht? Dann könnt ihr euch ungefähr vorstellen, wie es mir nach drei Tagen ohne feste Nahrung im Supermarkt ging. Aufgeben wegen solcher Krisen war aber ausgeschlossen.

Ebenso konnte ich es nicht sein lassen, mir ständig auf Instagram & Co Essensbilder anzusehen und zu überlegen, was ich zuerst essen werde wenn ich wieder „darf“. Die Gedanken kreisten fast 24/7 ums Essen. Ich glaube mich daran zu erinnern, wie ich sogar davon träumte. Am letzten Fastentag bekam ich dann auch schon so eine große Abneigung gegen die langweilig leere Suppe, dass ich mich wie ein kleines Kind vehement dagegen wehrte.

Veränderungen des Körpers

Während der Fastentage verlor ich insgesamt 3 Kilogramm an Körpergewicht, da alle Nahrungsreste rausgespült wurden und der Körper eigene Energiereserven abbaute. Für mich fühlte sich dies aber nicht angenehm, sondern – wie ich es gerne ausdrücke – „grauslig“ an: das Gefühl, wenn der Bauch komplett leer ist. Sehr wohl tat mir jedoch die lange Phase ohne jegliche Verdauungsbeschwerden. Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir die Frühjahrskur aufgrund der Entlastung des Verdauungsapparats schon auch gut tat. Außerdem pushte sie meine mentale Stärke als ich merkte, wie eindrucksvoll ich Herausforderndes bewältigen kann. Auf lange Sicht gesehen haben sich leider meine Verdauungsbeschwerden nicht gebessert, denn sie begrüßten mich bald wieder wie vorher gewohnt.

Doch der ausschlaggebende Grund warum ich diese Prozedur so nicht mehr wiederholen werde, ist folgender: die ungünstige Körpergewichtszunahme. Bei meinem Ausgangsgewicht tangierte mich der Anstieg von 1 – 2 kg an Körpergewicht mehr als zuvor nicht großartig. Als ich jedoch im Laufe meines Diätologie-Studiums lernte, was sich im Rahmen einer Nulldiät an der Körperzusammensetzung ändert, verging mir nach und nach meine Fasten-Euphorie.

Die physiologischen Konsequenzen: Gewichtszunahme

Fakt ist: bei der Anpassung an die veränderte Nahrungszufuhr muss sich unser Stoffwechsel zweckmäßig umstellen, um den Körper noch mit dem Mindestmaß an Energie versorgen zu können. Unser Gehirn und die roten Blutkörperchen sind dabei auf Kohlenhydrate angewiesen. Der Speicher an Kohlenhydraten hält jedoch nur ca. 24 Stunden. Deswegen muss der Körper bei mehrtägigem Fasten Kohlenhydrate aus Nicht-Kohlenhydraten (v.a. in Form von Muskeleiweiß) synthetisieren. Der Gewichtsverlust beim Fasten geht deswegen stark auf Kosten unserer so wichtigen Skelettmuskulatur. Die anschließende Gewichtszunahme dagegen geschieht fast ausschließlich in Form von Fettmasse. Und genau dieses Wissen hält mich von einer erneuten Nulldiät ab.

Mein Fazit

Fasten braucht Zeit, einen stabilen Stoffwechsel und starke Nerven. Außerdem wirkt sich eine solch geringe Energieaufnahme negativ auf die Körperzusammensetzung aus. Alles in allem bin ich dennoch dankbar darüber die Fasten-Erfahrung gemacht zu haben. Ungeachtet dessen kann ich mich aber auch glücklich schätzen, dass wir im Rahmen des Studiums die Thematik so präzise durchgenommen haben und dadurch optimal über unseren Körper und diverse Stoffwechselwege informiert wurden.

Hier geht es noch zu einem weiteren Artikel über Intervallfasten. Jetzt würde mich brennend interessieren: habt ihr bereits Erfahrung(en) mit dem Fasten gemacht? Wenn ja – wie ist es euch dabei ergangen?

Über die Autorin

Julia Kram ist 22 Jahre alt und studiert im 4. Semester Diätologie an der FH St.Pölten.  Da sie sich bereits ihr gesamtes Leben lang für Sport und Gesundheit interessiere, war ihr voriger Traumberuf Fitnesstrainerin. Mit der Reife wurde ihr aber mehr und mehr bewusst, was für einen wichtigen Stellenwert die Ernährung für unsere Gesundheit hat.  „Die Faszination über die Auswirkung der Ernährung auf den menschlichen Körper bzw. die gleichzeitige Leidenschaft zu leckerem Essen haben mich dazu bewogen Diätologin zu werden.“, so die Studentin. Sie liebt es mit frischen Lebensmitteln ihre Kreativität auszuleben um ein tolles, schmackhaftes Essen zu zaubern. Aus diesen Gründen interessiert sie sich immer mehr für diesen Beruf und kann heute sagen, dass daraus eine absolute Leidenschaft wurde.

Julia Kram

 

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Literatur:

Ärztegesellschaft Heilfasten & Ernährung e. V. Was versteht man unter Fasten? unter https://aerztegesellschaft-heilfasten.de/faqs/ (abgerufen am 03.03.2019)

Supervised by Carmen & Jasmin Klammer

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