Die „fette“ Lüge: Kokosöl

Kokosöl zählt zu den immer beliebteren Lebensmitteln und hat nun einen wahren medialen Hype ausgelöst. Dieser Hype ist für uns nicht wirklich verständlich und auch dessen  vermarkteten positiven Eigenschaften können wir nicht nachvollziehen. Was steckt nun wirklich hinter dem Kokosöl? Wir nehmen das Kokosöl unter die Lupe.

Kokosöl und die fette“ Lüge

„Kokosöl ist reines Gift!“ – Die Professorin, Dr. Dr. Karin Michels, von der Universitätsklinik Freiburg räumt in einem Vortrag mit Ernährungsirrtümern auf. Ihr Vortrag wird zum Youtube-Hit. Wir haben bereits vor 2 Jahren, wie der Kokosöl Hype begonnen hat, unsere Köpfe geschüttelt und versuchen seitdem aufzuklären. Vor kurzem haben wir auf unserer Instagram-Story ein kurzes Statement dazu abgegeben und daraufhin so viel positives Feedback von unseren Kolleginnen (Ernährungswissenschafterinnen & Diätologinnen) erhalten. Einige Follower baten uns auch um einen Blogpost. Also hier ist unser Beitrag über die fette“ Lüge Kokosöl.

Was ist Kokosöl?

Kokosöl wird aus der Kokosnuss gewonnen und besteht aus über 90 % gesättigten Fettsäuren, 6,4 % einfach und 1,5 % mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Kokosöl enthält einen hohen Anteil an Laurinsäure (ca. 50 %) und Myristin- und Palmitinsäure (ca 20-25 %).  Gesättigte Fettsäuren wirken sich negativ auf den Cholesterin- und Fettstoffwechsel aus und stehen dadurch im Zusammenhang das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen zu erhöhen. Das Kokosöl soll ja aufgrund der MCT-Fettsäuren (= medium chain triglycerides also mittelkettige Fettsäuren)  Capryl-  und Caprinsäure beim Abnehmen helfen.  Laurinsäure zählt nicht zu den MCTs. Kokosöl enthält  ca. 14 % MCT-Fettsäuren.

Was sind eigentlich MCT-Fettsäuren?

Wir wagen zur Erklärung wieder einen kurzen Blick in die Chemie und Biochemie (keine Angst, es bleibt kurz und simple). Jede Fettsäure besteht aus Kohlenstoffatomen, die eine Kette bilden. Je nach Länge der einzelnen Fettsäuren, werden diese in kurz-, mittel- und langkettige Fettsäuren eingeteilt. Von mittelkettigen Fettsäuren spricht man bei einer Länge von 6-12 Kohlenstoffatomen.

Grundbau Fettsäure (Quelle: workshopernaehrung.de)

Mittelkettige Fettsäuren werden im Vergleich zu langkettigen schneller gespalten, absorbiert und weiter direkt über die Pfortader zur Leber transportiert. Langkettige Fettsäuren werden aber zuerst in Chylomikronen (sie dienen im Blutplasma dem Transport des durch den Darm aufgenommenen Nahrungsfettes) eingebaut und über den Lymphweg in das Blut transportiert. Diesen kleinen Vorteil kann man sich in der diätetischen Therapie bei Darmerkrankungen (wie z.B.: bei Morbus  Crohn oder Darmresektionen) zu Nutze machen. MCTS sind in Butter, Palm- und Kokosöl zu finden.

Kokosöl im Vergleich

Zur besseren Darstellung haben wir eine Tabelle  mit  den Nährwerten verschiedener Fette zusammengefasst. Kokosöl wird oft wegen dem hohen Gehalt an Vitamin E angepriesen. Die Tabelle zeigt schwarz auf weiß, die einzelnen Zusammensetzungen und den hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren:

Kokosöl Rapsöl Sonnenblumenöl Sojaöl Erdnussöl Seasmöl Butter
Gesättigte Fettsäuren 88 g 6 g 10,7 g 15,4 g 19,9 g 13 g 50,5 g
Einfach ungesättige Fettsäuren 6,6 g 65 g 24,6 g 19,2 g 56 g 40,8 g 24,2 g
Mehrfach ungesättige Fettsäuren 1 g 29 g 50,4 g 60,6 g 21,6 g 42,7 g 3,2 g
Omega 6 1 g 19,3 g 50,2 g 52,9 g 21,55 g 42,7 g 1,99 g
Omega 3 0 mg 9,6 g 0,178 g 7,7 g 1,15 g
Vitamin E 1,8 mg 30 mg 62,2 mg 9,5 mg 8,9 mg 0,4 mg 2,1 mg
Vitamin A 3,3 mg 3,5 mg

(modifiziert nach dem Bundeslebensmittelschlüssel) 

Abnehmen mit Fett?

In den Medien wird das Kokosfett weltweit als Schlankmacher verkauft. Das Kokosöl soll beim Abnehmen helfen. Wie soll das gehen? Wie soll ein Fett beim Abnehmen helfen? Abnehmen kann man mit einer negativen Energiebilanz, ausreichend Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung. Der tägliche Verzehr von Kokosfett kann eine Gewichtsabnahme nicht  alleine hervorrufen.

Conclusio

Generell gilt, weniger Fett zu essen und bei der Zufuhr von gesättigten Fettsäuren einsparen, denn schlechte Fette erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.  Wir verwenden Kokosöl nur für unsere Haut oder auch hin und wieder zum Kochen, wenn wir ein Tropen-Feeling haben wollen. Es gibt bisher kaum wissenschaftlich haltbare Nachweise (also kaum Humanstudien) für die propagierten Gesundheitseffekte von Kokosöl. Die Dosis macht das Gift, wie bei vielen Lebensmitteln. Bevorzugt doch lieber regionale Produkte, die nicht wegen eines Hypes total überteuert sind. Wir verwenden zum Braten gerne Rapsöl, Erdnussöl oder Sojaöl und für die kalte Küche verwenden wir gerne heimisches Leinöl & Kürbiskernöl.

Liebe Grüße

Carmen & Jasmin

Literatur:

Sabine Schmidt. Lebensmitteltrends: Kokosöl. Ernährungsmedizin, 2016.  https://www.ernaehrungs-umschau.de/print-artikel/12-10-2016-lebensmitteltrends-kokosoel/
Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Mittelkettige Triglyceride für die Adipositastherapie nicht empfehlenswert. DGEinfo (02/2011) 18-21

https://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/09_zentren/ipe/pdf/Statement_von_Frau_Professor_Michels.pdf

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