Kollagenprodukte gehören mittlerweile zu den bekanntesten Nahrungsergänzungsmitteln im Bereich Hautgesundheit, Sport und Healthy Aging. Pulver, Kapseln und Drinks versprechen straffere Haut, belastbarere Gelenke und eine schnellere Regeneration. Doch welche dieser Aussagen sind tatsächlich wissenschaftlich belegt?
Kollagen ist das mengenmäßig häufigste Protein im menschlichen Körper. Es bildet einen wesentlichen Bestandteil der extrazellulären Matrix und verleiht unter anderem Haut, Knochen, Sehnen, Bändern und Knorpel Struktur und Stabilität.
Rund 28 verschiedene Kollagentypen sind bekannt. Für den menschlichen Körper und die Forschung zu Nahrungsergänzungsmitteln sind insbesondere folgende Typen relevant:
- Kollagen Typ I: vor allem in Haut, Knochen, Sehnen und Bändern
- Kollagen Typ II: vor allem im Knorpel
- Kollagen Typ III: unter anderem in Haut, Muskulatur und Blutgefäßen
Mit zunehmendem Alter verändert sich der Kollagenstoffwechsel. Die körpereigene Kollagensynthese nimmt ab, während sich Struktur und Vernetzung der vorhandenen Kollagenfasern verändern. Bei Frauen kann insbesondere der Rückgang der Östrogenkonzentration während und nach der Menopause den Kollagenverlust in Haut und Knochen zusätzlich begünstigen.
Auch UV-Strahlung und Rauchen fördern den Kollagenabbau. Diese Faktoren erhöhen unter anderem oxidativen Stress und die Aktivität bestimmter Enzyme, sogenannter Matrix-Metalloproteinasen, die Kollagenstrukturen abbauen können.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jede Person Kollagen supplementieren muss. Entscheidend ist, ob durch die Einnahme tatsächlich ein messbarer und für die Patientin relevanter Zusatznutzen erzielt werden kann.
Was passiert mit Kollagen nach der Einnahme?
Kollagen wird aus tierischen Ausgangsmaterialien gewonnen, meistens aus Rind, Schwein oder Fisch. Bei hydrolysiertem Kollagen wurden die langen Proteinstrukturen enzymatisch in kleinere Peptide aufgespalten.
Nach der Einnahme wird Kollagen im Magen-Darm-Trakt weiter verdaut. Dabei entstehen freie Aminosäuren und kleine Peptide. Ein Teil hydroxyprolinhaltiger Di- und Tripeptide kann nach der Einnahme vorübergehend im Blut nachgewiesen werden.
Labor- und Tierstudien legen nahe, dass bestimmte Kollagenpeptide nicht nur als Bausteine dienen, sondern möglicherweise auch Signalwege in Fibroblasten und anderen Zellen beeinflussen. Fibroblasten sind unter anderem an der Bildung von Kollagen, Elastin und weiteren Bestandteilen der extrazellulären Matrix beteiligt.
Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass aufgenommenes Kollagen direkt und gezielt in der Haut, einem schmerzenden Gelenk oder einer bestimmten Sehne eingebaut wird. Der Körper entscheidet selbst, wie die aufgenommenen Aminosäuren und Peptide verwendet werden.
Aktuelle Studienlage
Kollagen und Hautgesundheit
Die Wirkung von Kollagen auf die Haut ist der am häufigsten untersuchte Bereich. Mehrere systematische Reviews und Meta-Analysen kamen in den vergangenen Jahren zu dem Ergebnis, dass hydrolysierte Kollagenpeptide Hautfeuchtigkeit und Hautelastizität geringfügig verbessern können. In einigen Studien wurden außerdem kleine Veränderungen der Faltentiefe beobachtet.[1–3]
Typischerweise wurden Dosierungen zwischen etwa 1 und 10 Gramm Kollagenpeptiden pro Tag über einen Zeitraum von 8 bis 24 Wochen untersucht.
Eine 2025 veröffentlichte randomisierte, placebokontrollierte Studie berichtete auch bei einer täglichen Einnahme von 1.650 Milligramm niedermolekularen Kollagenpeptiden Verbesserungen verschiedener Hautparameter.[4]
Die Ergebnisse müssen dennoch vorsichtig interpretiert werden. Eine 2025 veröffentlichte Meta-Analyse mit 23 randomisierten kontrollierten Studien und insgesamt 1.474 Teilnehmer*innen fand in der Gesamtanalyse zwar Verbesserungen der Hautfeuchtigkeit, Hautelastizität und Faltenstruktur. Wurden jedoch nur Studien ohne Finanzierung durch Herstellerunternehmen betrachtet, waren keine statistisch überzeugenden Effekte mehr nachweisbar.[5]
Das bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche positiven Ergebnisse falsch sind. Es zeigt jedoch, dass Finanzierungsquelle, Studienqualität und mögliche Publikationsverzerrungen bei der Interpretation berücksichtigt werden müssen.
Update 2026: Neue Studien bestätigen mögliche Effekte – die Unsicherheit bleibt
Auch 2026 wurden neue Studien und zusammenfassende Analysen zur Einnahme von Kollagen veröffentlicht.
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse untersuchte 19 randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studien mit insgesamt 1.341 Teilnehmerinnen. Die Autorinnen fanden vor allem Verbesserungen der Hautfeuchtigkeit und der Hauthelligkeit. Für Falten zeigte sich ein kleiner Effekt, während die Ergebnisse zur Hautelastizität und Hautdichte weniger einheitlich ausfielen.[6]
Zu beachten ist, dass diese Analyse nicht ausschließlich oral eingenommene Kollagenpräparate untersuchte, sondern verschiedene oral und topisch angewendete Peptide einschloss. Die Ergebnisse können daher nicht vollständig auf handelsübliche Kollagenpulver übertragen werden.
Eine weitere 2026 veröffentlichte randomisierte Studie untersuchte 119 gesunde Frauen zwischen 35 und 55 Jahren. Die Teilnehmerinnen erhielten zwölf Wochen lang entweder:
- 2,5 Gramm bioaktive Kollagenpeptide täglich,
- 10 Gramm bioaktive Kollagenpeptide täglich,
- oder keine Kollagensupplementierung.
In beiden Kollagengruppen verbesserten sich Hautfeuchtigkeit und Hautelastizität. Eine signifikante Reduktion der untersuchten Faltenparameter wurde insbesondere bei 10 Gramm pro Tag beobachtet.[7]
Zusätzlich untersuchte die Studie die Biomarker TGF-β und Klotho. Veränderungen solcher Laborparameter können mögliche biologische Mechanismen aufzeigen, sind jedoch kein Beweis dafür, dass Kollagen eine allgemeine Anti-Aging- oder Verjüngungswirkung besitzt.
Die Aussagekraft der Studie wird außerdem dadurch eingeschränkt, dass die Kontrollgruppe kein Placebo erhielt. Eine vollständige Verblindung war daher wahrscheinlich nicht möglich. Zudem wurde ein spezifisches Markenprodukt untersucht, sodass die Ergebnisse nicht automatisch auf jedes Kollagenpräparat übertragen werden können.
Eine Umbrella-Review aus dem Jahr 2026 fasste 16 bestehende systematische Reviews und Meta-Analysen zusammen. Diese umfassten insgesamt 113 randomisierte kontrollierte Studien mit knapp 8.000 Teilnehmer*innen.[8]
Die Autor*innen kamen zu einer insgesamt positiven Bewertung für:
- Hautfeuchtigkeit und Hautelastizität,
- einzelne Muskel- und Kraftparameter,
- Knochengesundheit,
- sowie Beschwerden bei Arthrose.
Eine Umbrella-Review untersucht allerdings keine neuen Teilnehmer*innen, sondern fasst bereits bestehende Übersichtsarbeiten zusammen. Ihre Aussagekraft hängt daher stark von der Qualität der eingeschlossenen Studien und Meta-Analysen ab.
Da viele der zugrunde liegenden Kollagenstudien klein, heterogen oder von Herstellerunternehmen finanziert sind, beseitigt auch eine große Umbrella-Review diese methodischen Einschränkungen nicht.
Wie sind die Ergebnisse für die Haut einzuordnen?
Die aktuelle Studienlage spricht dafür, dass Kollagenpeptide bei manchen Menschen einzelne Hautparameter geringfügig verbessern können. Am plausibelsten erscheinen kleine bis moderate Veränderungen der Hautfeuchtigkeit. Auch für Hautelastizität und Falten gibt es positive Ergebnisse, diese sind jedoch weniger einheitlich.
Von einer gesicherten Anti-Aging-Wirkung oder einer deutlich sichtbaren Verjüngung der Haut kann nicht gesprochen werden.
Die wichtigsten Maßnahmen gegen vorzeitige Hautalterung bleiben:
- konsequenter UV-Schutz,
- Nichtrauchen,
- eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung,
- eine ausgewogene Ernährung,
- sowie eine insgesamt gesundheitsförderliche Lebensweise.
Kollagen, Gelenkbeschwerden und Arthrose
Für Gelenkbeschwerden wurden sowohl hydrolysierte Kollagenpeptide als auch undenaturiertes Typ-II-Kollagen untersucht. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen möglichen Wirkmechanismen.
Meta-Analysen bei Personen mit Arthrose zeigen Hinweise darauf, dass Kollagenpräparate Schmerzen und funktionelle Einschränkungen geringfügig reduzieren können.[9] Auch bei körperlich aktiven Personen wurden in einzelnen Studien Verbesserungen belastungsabhängiger Gelenkbeschwerden beobachtet.[10]
Die Umbrella-Review aus dem Jahr 2026 bestätigt, dass Kollagensupplemente insbesondere bei Arthrose mit einer Reduktion subjektiver Schmerzen und einer möglichen Verbesserung der Gelenkfunktion verbunden sein können.[8]
Die Studien unterscheiden sich jedoch deutlich hinsichtlich:
- der verwendeten Kollagenform,
- der Dosierung,
- der Einnahmedauer,
- des betroffenen Gelenks,
- und der untersuchten Zielgruppe.
Eine Abnahme subjektiver Gelenkschmerzen beweist außerdem nicht, dass geschädigter Knorpel wieder aufgebaut wurde. Klinisch relevante Veränderungen der Knorpelstruktur sind bislang wesentlich schlechter belegt als Veränderungen von Schmerzangaben oder Funktionsfragebögen.
Kollagen ersetzt daher keine medizinische Abklärung, Physiotherapie, ein angepasstes Krafttraining oder eine gegebenenfalls notwendige Behandlung der Arthrose.
Kollagen für Sehnen und Bänder
Sehnen und Bänder bestehen zu einem großen Teil aus Kollagen. Deshalb wird untersucht, ob Kollagen oder Gelatine in Kombination mit mechanischer Belastung die Anpassung des Bindegewebes unterstützen können.
Eine häufig zitierte kleine Studie zeigte, dass 15 Gramm mit Vitamin C angereicherte Gelatine etwa eine Stunde vor einer kurzen Belastung bestimmte Marker der Kollagensynthese stärker erhöhten als eine niedrigere Dosierung oder ein Placebo.[11]
Daraus entstand die verbreitete Empfehlung, Kollagen gemeinsam mit Vitamin C vor dem Training einzunehmen.
Diese Studie untersuchte allerdings vor allem kurzfristige Biomarker und keine langfristigen Verletzungsraten, Heilungsverläufe oder Belastbarkeit im Alltag.
Auch neuere Reviews beurteilen Kollagen in Kombination mit Training als potenziell hilfreich. Gleichzeitig bestehen weiterhin Unsicherheiten hinsichtlich:
- der optimalen Dosierung,
- des optimalen Einnahmezeitpunkts,
- der geeigneten Kollagenform,
- und des tatsächlichen klinischen Nutzens.
Für gesunde Sportler*innen ist die Einnahme deshalb optional. Bei Sehnenverletzungen sollte Kollagen höchstens als Ergänzung zu einem professionell gesteuerten Rehabilitations- und Belastungsprogramm betrachtet werden.
Kollagen und Knochen
Kollagen Typ I bildet das organische Grundgerüst des Knochens, in das Calcium und weitere Mineralstoffe eingelagert werden. Daher ist grundsätzlich plausibel, dass Kollagenpeptide den Knochenstoffwechsel beeinflussen könnten.
In einer randomisierten Studie erhielten postmenopausale Frauen mit verringerter Knochendichte zwölf Monate lang täglich fünf Gramm spezifischer Kollagenpeptide. Im Vergleich zur Placebogruppe wurden Verbesserungen der Knochenmineraldichte an Wirbelsäule und Oberschenkelhals sowie Veränderungen bestimmter Knochenstoffwechselmarker beobachtet.[12]
Eine längerfristige Nachbeobachtung lieferte ebenfalls positive Hinweise.[13] Auch die Umbrella-Review aus dem Jahr 2026 bewertet die bisherigen Ergebnisse zur Knochengesundheit insgesamt als vielversprechend.[8]
Diese Ergebnisse reichen jedoch noch nicht aus, um Kollagen als Standardtherapie bei Osteopenie oder Osteoporose zu empfehlen. Die Studienzahl ist begrenzt, und ein Teil der Forschung untersucht spezifische, herstellergebundene Peptidmischungen.
Kollagen kann eine leitliniengerechte Osteoporosetherapie nicht ersetzen.
Für die Knochengesundheit wesentlich besser belegt sind:
- regelmäßiges Krafttraining,
- knochenbelastende Bewegung,
- eine ausreichende Energiezufuhr,
- eine ausreichende Gesamtproteinzufuhr,
- eine bedarfsgerechte Versorgung mit Calcium und Vitamin D,
- Nichtrauchen,
- sowie bei Osteoporose eine ärztlich verordnete medikamentöse Therapie.
Ist Kollagen zum Muskelaufbau geeignet?
Hier ist eine klare Abgrenzung wichtig: Kollagen ist kein hochwertiger Ersatz für ein vollständiges Nahrungsprotein.
Kollagen ist reich an Glycin, Prolin und Hydroxyprolin, enthält aber nur wenig Leucin und kein Tryptophan. Es ist daher kein vollständiges Protein und stimuliert die Muskelproteinsynthese schwächer als beispielsweise Molkenprotein.
In direkten Vergleichen führte Molkenprotein zu einer stärkeren akuten und längerfristigen Muskelproteinsynthese als Kollagenprotein.[14]
Eine weitere Untersuchung zeigte, dass Kollagenpeptide während einer intensiven Trainingsphase weder die myofibrilläre noch die bindegewebsbezogene Muskelproteinsynthese zusätzlich erhöhten.[15]
Einige Studien berichten dennoch, dass Kollagen gemeinsam mit Krafttraining die fettfreie Masse oder Muskelkraft stärker steigern könnte als ein Placebo.[16,17] Auch die Umbrella-Review aus dem Jahr 2026 fand moderate Verbesserungen einzelner Muskel- und Kraftparameter, insbesondere in Verbindung mit Krafttraining.[8]
Dabei bleibt jedoch unklar, ob die beobachteten Effekte auf besondere Eigenschaften der Kollagenpeptide, auf die zusätzliche Proteinzufuhr, auf Veränderungen des Bindegewebes oder auf methodische Besonderheiten der Studien zurückzuführen sind.
Praktische Einordnung
Für den primären Muskelaufbau sollten vollständige, leucinreiche Proteinquellen bevorzugt werden, beispielsweise:
- Milchprodukte,
- Eier,
- Fisch oder Fleisch,
- Sojaprodukte,
- Hülsenfrüchte in geeigneten Kombinationen,
- Molkenprotein,
- oder sinnvoll zusammengestellte pflanzliche Proteinmischungen.
Kollagen kann zusätzlich verwendet werden, sollte aber nicht den Großteil der täglichen Proteinzufuhr ausmachen.
Unterstützt Vitamin C die Wirkung?
Vitamin C wird für die körpereigene Kollagensynthese benötigt. Ein ausgeprägter Vitamin-C-Mangel beeinträchtigt deshalb die Bildung stabiler Kollagenstrukturen.
Bei einer ausgewogenen Ernährung ist der Vitamin-C-Bedarf normalerweise gut abdeckbar. Eine hoch dosierte Vitamin-C-Supplementierung führt nicht automatisch dazu, dass mehr Kollagen aufgebaut wird.
Es ist auch nicht notwendig, jedes Kollagenprodukt mit zugesetztem Vitamin C zu kaufen.
Eine Einnahme gemeinsam mit einer Vitamin-C-Quelle ist grundsätzlich möglich, beispielsweise mit:
- Beeren,
- Kiwi,
- Zitrusfrüchten,
- Paprika,
- Brokkoli,
- oder einem kleinen Glas Fruchtsaft.
Ein klarer zusätzlicher Nutzen hoher Vitamin-C-Dosen gegenüber einer ausreichenden Versorgung ist bislang nicht belegt.
Sind Silizium, Astaxanthin oder Hyaluronsäure notwendig?
Viele Kombinationsprodukte enthalten neben Kollagen Vitamin C, Hyaluronsäure, Biotin, Zink, Silizium oder Antioxidantien wie Astaxanthin.
Einzelne Studien zeigen positive Ergebnisse für bestimmte Kombinationen. Daraus lässt sich jedoch häufig nicht sicher ableiten, welcher Bestandteil für die beobachtete Wirkung verantwortlich war.
Außerdem können Ergebnisse eines konkreten Kombinationspräparats nicht automatisch auf andere Produkte übertragen werden.
Für eine allgemeine Empfehlung, Kollagen müsse mit Silizium, Astaxanthin oder Hyaluronsäure kombiniert werden, reicht die aktuelle Evidenz nicht aus.
Welche Form wirkt am besten?
Am häufigsten untersucht wurde hydrolysiertes Kollagen, das häufig auch als Kollagenhydrolysat oder Kollagenpeptide bezeichnet wird.
Durch die Hydrolyse werden große Kollagenproteine in kleinere Peptide aufgespalten. Das verbessert insbesondere die Löslichkeit und erleichtert die Verarbeitung in Pulvern und Getränken.
Der häufig verwendete Begriff „höchste Bioverfügbarkeit“ ist dagegen wenig aussagekräftig. Auch andere Nahrungsproteine werden während der Verdauung in Peptide und Aminosäuren zerlegt.
Für die Produktauswahl sind folgende Kriterien relevanter:
- nachvollziehbare Herkunft,
- transparente Angaben zur verwendeten Kollagenquelle,
- unabhängige Qualitäts- und Schadstoffkontrollen,
- klare Angabe der enthaltenen Kollagenmenge,
- möglichst wenige unnötige Zusatzstoffe,
- und eine Dosierung, die mit jener der zugrunde liegenden Studien vergleichbar ist.
Die Bezeichnung „Kollagen Typ I“ oder „Kollagen Typ II“ allein beweist noch keine Wirksamkeit.
Unterschiede zwischen den Herstellungsprozessen und Peptidprofilen können dazu führen, dass Ergebnisse eines konkreten Produkts nicht unmittelbar auf andere Kollagenpräparate übertragen werden können.
Welche Dosierung wurde untersucht?
Eine einheitliche, für alle Anwendungsbereiche gültige Dosierung gibt es nicht.
In Studien wurden häufig folgende Mengen verwendet:
- Haut: etwa 1 bis 10 Gramm Kollagenpeptide täglich
- Gelenkbeschwerden: häufig 5 bis 10 Gramm Kollagenhydrolysat täglich
- Training und Sehnen: häufig 10 bis 15 Gramm in zeitlicher Nähe zur Belastung
- Knochengesundheit: in einzelnen Studien 5 Gramm spezifische Kollagenpeptide täglich
Die Einnahme erfolgte meist über mindestens 8 bis 12 Wochen. Bei Untersuchungen zur Knochendichte waren deutlich längere Zeiträume notwendig.
Eine höhere Dosis ist nicht automatisch wirksamer. Bei manchen spezifischen Produkten wurden bereits mit niedrigeren Mengen Veränderungen beobachtet. Diese Ergebnisse lassen sich jedoch nicht automatisch auf beliebige Kollagenpulver übertragen.
Ist Kollagen sicher?
Kollagenpräparate wurden in klinischen Studien überwiegend gut vertragen.
Möglich sind unter anderem:
- Völlegefühl,
- Übelkeit,
- unangenehmer Geschmack,
- oder leichte Magen-Darm-Beschwerden.
Bei Allergien gegen Fisch, Rind oder andere Ausgangsmaterialien muss die Herkunft des Produkts berücksichtigt werden.
Da Kollagen tierischen Ursprungs ist, ist es nicht vegan. Produkte, die als „veganes Kollagen“ beworben werden, enthalten normalerweise kein echtes Kollagen. Sie bestehen meist aus Aminosäuren, Vitaminen, Mineralstoffen oder Pflanzenextrakten, die die körpereigene Kollagenbildung unterstützen sollen.
Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei relevanten Nieren- oder Lebererkrankungen sollte die Einnahme hoch dosierter Nahrungsergänzungsmittel individuell mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft abgeklärt werden.
Das bedeutet nicht, dass Kollagen grundsätzlich gefährlich ist. Für bestimmte Personengruppen liegen jedoch weniger spezifische Sicherheitsdaten vor.
Wer könnte von Kollagen profitieren?
Ein zeitlich begrenzter Einnahmeversuch kann insbesondere für Personen interessant sein, die:
- trockene oder altersbedingt weniger elastische Haut unterstützen möchten,
- unter medizinisch abgeklärten, belastungsabhängigen Gelenkbeschwerden leiden,
- ihre Sehnenrehabilitation ernährungsmedizinisch begleiten möchten,
- oder im Rahmen eines umfassenden Konzepts ihre Knochengesundheit unterstützen möchten.
Dabei sollten realistische Erwartungen bestehen. Mögliche Effekte sind eher klein bis moderat und nicht bei allen Personen sichtbar oder spürbar.
Für eine sinnvolle Beurteilung sollte ein Produkt regelmäßig und über einen ausreichend langen Zeitraum eingenommen werden. Gleichzeitig sollte überprüft werden, ob tatsächlich eine relevante Veränderung eintritt.
Wer bereits ausreichend Protein zuführt, regelmäßig trainiert, nicht raucht und die Haut konsequent vor UV-Strahlung schützt, setzt damit wesentlich wichtigere Grundlagen als mit einem einzelnen Nahrungsergänzungsmittel.
Ernährungsmedizinische Bewertung
Kollagen liefert hohe Mengen der Aminosäuren Glycin, Prolin und Hydroxyprolin. Diese Aminosäuren sind für Kollagenstrukturen charakteristisch.
Die Aussage, diese Aminosäuren kämen in der üblichen Ernährung grundsätzlich zu wenig vor, ist jedoch zu pauschal. Der Körper kann Glycin und Prolin grundsätzlich selbst bilden. Unter bestimmten Bedingungen kann der Bedarf dennoch erhöht sein oder die körpereigene Synthese möglicherweise nicht optimal ausreichen.
Kollagen ist daher kein unverzichtbarer Nährstoff, sondern eine mögliche ergänzende Protein- und Peptidquelle.
Die aktuelle Studienlage spricht für mögliche kleine bis moderate Effekte auf:
- Hautfeuchtigkeit,
- einzelne Parameter der Hautelastizität,
- bestimmte Faltenparameter,
- subjektive Gelenkbeschwerden,
- und möglicherweise einzelne Parameter der Knochen- und Muskelgesundheit.
Die Ergebnisse sind jedoch nicht durchgehend konsistent. Unterschiede zwischen Produkten, Dosierungen und Studiengruppen sowie eine häufige Finanzierung durch Herstellerunternehmen erschweren allgemeingültige Empfehlungen.
Grenzen und Einordnung
Kollagen bleibt ein ergänzender Faktor und ersetzt keine grundlegenden Gesundheitsmaßnahmen wie:
- eine ausgewogene Ernährung,
- eine ausreichende Gesamtproteinzufuhr,
- regelmäßige Bewegung,
- Krafttraining,
- Sonnenschutz,
- Schlaf und Regeneration,
- sowie eine medizinisch notwendige Therapie.
Die beobachteten Effekte sind überwiegend klein bis moderat und benötigen meist mehrere Wochen regelmäßiger Einnahme.
Individuelle Unterschiede in der Wirkung sind bei ernährungsmedizinischen Interventionen üblich. Nicht jede Person wird eine sichtbare oder spürbare Veränderung feststellen.
Auch die 2026 veröffentlichten Studien ändern daran nichts grundlegend. Sie liefern zusätzliche positive Hinweise, beseitigen jedoch nicht die bisherigen methodischen Unsicherheiten.
Fazit: Was sagt die aktuelle Wissenschaft wirklich?
Die Studienlage zeigt ein differenziertes Bild: Kollagen ist weder wirkungslos noch ein Wundermittel.
Für hydrolysierte Kollagenpeptide gibt es Hinweise auf kleine bis moderate Verbesserungen einzelner Hautparameter. Am ehesten scheinen Hautfeuchtigkeit und möglicherweise Hautelastizität zu profitieren. Die Effekte auf Falten sind geringer und weniger einheitlich.
Die neuen Publikationen aus dem Jahr 2026 bestätigen, dass Kollagenpräparate bei bestimmten Zielgruppen positive Effekte zeigen können. Gleichzeitig verdeutlichen sie, dass Ergebnisse stark vom untersuchten Produkt, der Dosierung, der Studiendauer und der Studienqualität abhängen.
Für Gelenkbeschwerden gibt es Hinweise auf eine leichte Reduktion subjektiver Schmerzen und mögliche Verbesserungen der Funktion. Ein Wiederaufbau geschädigten Knorpels ist dadurch jedoch nicht belegt.
Für Knochen, Sehnen und Muskulatur liegen interessante, aber noch nicht abschließend gesicherte Ergebnisse vor. Besonders beim Muskelaufbau ist Kollagen vollständigen, leucinreichen Proteinquellen unterlegen und sollte diese nicht ersetzen.
Kollagen kann somit eine sinnvolle ergänzende Option sein – vorausgesetzt:
- das Produkt ist qualitativ hochwertig,
- die Dosierung orientiert sich an wissenschaftlich untersuchten Mengen,
- die Einnahme erfolgt ausreichend lange,
- und die Erwartungen bleiben realistisch.
Eine ausgewogene Ernährung, eine ausreichende Proteinzufuhr, Krafttraining, UV-Schutz und eine bedarfsgerechte Mikronährstoffversorgung bleiben die entscheidende Basis.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von unserer Praktikantin Carina Wimmesberger geschrieben.
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