Baby-led Weaning – back to the roots?

Die Ernährung von Babys ist ein ganz besonderes Thema. Daher widmen wir uns in diesem Artikel dieser spannenden Thematik, die uns doch irgendwie alle betrifft. Wie funktioniert das überhaupt mit der Beikosteinführung? Ernähren sich Babys eigentlich nur von Brei? Und was genau versteht man unter Baby-led Weaning? All diese Fragen werden in dem Blogartikel beantwortet.

STUDENTENBLOGGER ALS GASTBLOGGER

Mit diesem Artikel gehen wir in eine weitere Runde unserer Serie dem „Studentenblog“. Alle 3 Wochen dienstags erscheint ein neuer Artikel einer/s StudentIn der Diätologie oder Ernährungswissenschaft. Unter der Rubrik Studentenblog findet ihr alle Artikel. Diesmal beschäftigt sich Studentin Nicole mit der Ernährung von Babys.

Beikosteinführung

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Vorlesung Kinder- und Jugendernährung fragte mich eine befreundete Hebamme, was wir denn zum Thema Baby-led Weaning (= BLW) gelernt hätten. Meine Antwort darauf war: „nichts“. Daraufhin begann ich, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und entschied mich, meinen Blogbeitrag diesem Thema zu widmen, da ich der Meinung bin, dass dieser Art der Beikosteinführung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.

Konventionelle Beikostempfehlung

Zuerst ein paar Informationen zur konventionellen Beikostempfehlung. Es wird empfohlen, zwischen dem 5. und dem 7. Lebensmonat des Kindes mit der Einführung der Beikost zu beginnen und auch noch während des 2. Lebensjahres parallel weiter zu stillen. Der Zeitpunkt der Beikosteinführung soll auch hier an die Reifemerkmale des Kindes angepasst sein, ist sie jedoch eher breiorientiert. Dies beruht darauf, dass früher bei jüngeren Babys die Beikost eingeführt wurde und diese nur Brei essen konnten. Heute wird oft auf industriell hergestellte Fertigbreie aus den Supermärkten zurückgegriffen, die für Säuglinge ungeeignete Zusatzstoffe, wie Zucker, enthalten.

Was ist Baby-led-Weaning?

BLW bedeutet übersetzt „die vom Kind gesteuerte Entwöhnung“ oder „Beikost nach Bedarf“, was sich auf den Übergang von der ausschließlichen Ernährung mit Muttermilch zur Einführung von Lebensmitteln bezieht (=Beikostbeginn). Das bedeutet, dass das Baby selbst entscheidet, wann es mit dem Essen von Lebensmitteln beginnt, wie viel, wie schnell und was es isst. Diese „Entscheider-Rolle“ übernahm es bis jetzt ja auch beim Stillen. Außerdem soll es an den Familienmahlzeiten teilnehmen und dasselbe zu essen bekommen wie seine Eltern.

Was genau sind die Unterschiede?

Im Gegensatz zur konventionellen Beikosteinführung, bei der meist die Eltern entscheiden, wann das Baby mit dem Essen beginnt und es mit dem Löffelchen spezielle Babybreis gefüttert bekommt, übernimmt bei BLW das Baby die Führungsrolle. Anhand gewisser Merkmale wird die Reife des Kindes beobachtet, und wenn es dann so weit ist, werden ihm Lebensmittel angeboten. Das Baby ist wahrscheinlich bereit die erste feste Nahrung zu bekommen, wenn es nur leicht gestützt sitzen und die Hand gezielt zum Mund bewegen kann, der Zungenstoßreflex weg ist und es Kaubewegungen machen und Essen greifen kann. Dies ist in der Regel frühestens ab dem 6. Monat der Fall. Zeigt es diese Merkmale, werden dem Kind bei den Familienmahlzeiten stückchenweise die Lebensmittel, die sich auch auf den Tellern der Eltern befinden, angeboten. Zu Beginn ist das eher ein spielerisches Entdecken der verschiedenen Lebensmittel, das viel Geduld erfordert, da es eine ziemliche Sauerei geben kann, und dient nicht der Sättigung. Dies ist allerdings nicht schlimm, da ja auch nach Beikostbeginn das weitere Stillen empfohlen wird, so oft das Baby will.

Und was heißt das jetzt für die Praxis?

Im Gegensatz zur konventionellen Beikosteinführung werden die Lebensmittel in Stücken angeboten und nicht, wie oft üblich, in breiiger Form. Wichtig ist, dass die Stücke so groß sind, dass das Baby sie gut mit der kompletten Hand umfassen kann, denn den Pinzettengriff (= gezieltes Greifen mit Daumen und Zeigerfinger) erlernen die Babys erst später. Außerdem müssen die Stücke lange genug sein, damit es daran knabbern kann. Auch die richtige Konsistenz ist wichtig. Das Essen soll zwar einfach am Gaumen zu zerdrücken sein, aber auch fest genug, damit das Baby es gut halten kann. Natürlich müssen die generellen Richtlinien (kein Salz, Zucker, Honig, Nüsse…) dabei beachtet werden und die Babys sollen nur unter Aufsicht essen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Küchenhygiene (Händewaschen, Lebensmittel gut abwaschen und durcherhitzen…), damit das Kind keine Infektionen bekommt.

Pro Baby-led weaning Argumente

  • Erfahrung des natürlichen Geschmacks/ der natürlichen Konsistenz von Lebensmittel, ohne Prägung auf Industriegeschmack
  • Praktikabilität: wenn sich alles eingespielt hat, gibt es keinen großen Mehraufwand, da das Baby dasselbe isst wie die ganze Familie.
  • Emotionale Komponente: Teilnahme an Familienmahlzeiten
  • Positive Beeinflussung des Ernährungsverhaltens: Kinder hören nach einiger Zeit auf ihr Sättigungsgefühl und entscheiden selbst, wann sie satt sind.
  • Befürworter meinen, es gäbe einen positiven Effekt bzgl. gesundem Körpergewicht (unzureichende Studienlage).

Gegner der Beikosteinführung nach BLW befürchten eine unzureichende Versorgung mit gewissen Nährstoffen (z.B.: Eisen) und ein erhöhtes Risiko, dass sich Babys verschlucken. Letzteres konnte jedoch bereits in Studien widerlegt werden.

Fazit

Abschließend ist zu sagen, dass es sowohl für gewisse positive Langzeitfolgen, als auch für einige Bedenken unzureichende wissenschaftliche Evidenz gibt. Das Problem bei Studien ist, dass die Ergebnisse oft auf Selbstangaben der Eltern beruhen, was die Objektivität beeinträchtig. Außerdem gibt keine einheitliche Art von BLW, sondern verschiedene Ansichten von flexiblen Mischformen bis hin zu striktem und ausschließlichem BLW, wie es die Begründerin Gill Rapley in ihrem Buch beschreibt.

 

Über die Autorin

Nicole Fusseneger ist 20 Jahre alt und Diätologiestudentin im 4. Semester an der FH St. Pölten. Ihr war schon länger klar, dass sie später mal im Gesundheitsbereich arbeiten möchte, da sie sich zu Schulzeiten schon das Thema Ernährung und ernährungsbedingte Krankheiten interessierte. „Dieses Studium ermöglicht mir, Menschen zu zeigen, wie viel man mit der richtigen Ernährung erreichen kann, was oft gar nicht so schwer ist wie gedacht, wenn man erst mal die richtigen Informationen hat.“, so die angehende Diätologin. Ihr Ziel: Ihr ist es wichtig, den Menschen klarzumachen, dass Essen mehr ist, als nur den Hunger zu stillen. Sie sollen Freude daran finden, sich trotz Krankheit nicht eingeschränkt fühlen und erkennen, wie sie sich mit dem richtigen Essen Gutes tun können.

Nicole Fussenegger

 

Wie sind deine Erfahrungen zu dieser Thematik. Lass es uns wissen und schreibe uns.

 

Supervised by Carmen & Jasmin Klammer

Literaturnachweis:

Brown A, Jones SW, Rowan H. Baby-Led Weaning: The Evidence to Date. Current Nutrition Reports 2017;6(2):148-56. doi: 10.1007/s13668-017-0201-2.

Fangupo LJ, Heath A-LM, Williams SM, Erickson Williams LW, Morison BJ, Fleming EA, Taylor BJ, Wheeler BJ, Taylor RW. A Baby-Led Approach to Eating Solids and Risk of Choking. Pediatrics 2016;138(4):e20160772. doi: 10.1542/peds.2016-0772.

Rapley, G., Murkett, T. (2002). Baby-led Weaning Das Grundlagenbuch. Der Stressfreie Beikostweg (5. Auflage). München: Klösel-Verlag

Stillen Institut. Internet: http://www.stillen-institut.com/de (Zugriff am 08.05.2019)

 

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